Maschinenkonstrukteure kennen den Begriff „Restrisiko“ aus ihrer täglichen Arbeit, denn die Maschinenrichtlinie verlangt eine Risikominimierung für jede in Verkehr gebrachte Maschine. Die Maschinenrichtlinie schreibt hierbei zwingend einen dreistufigen Prozess zur Risikominimierung vor.

– Stufe 1: Konstruktion einer inhärent sicheren Maschine
– Stufe 2: Konstruktive Schutzmaßnahmen technisch ggf. steuerungstechnisch
– Stufe 3: Ausschalten des nach den Maßnahmen 1. und 2. verbleibenden Restrisikos durch instruktive Maßnahmen in der Betriebsanleitung sowie durch Anbringen von Warnhinweisen an der Maschine.

Nach diesem dreistufigen Prozess zur Risikominimierung wäre die Maschine durch die vorgenommenen Sicherheitsmaßnahmen nun ohne Restrisiko, sofern alle konstruktiven und instruktiven Sicherheitsmaßnahmen vom Betreiber beachtet werden. So weit, so gut. Definition klar.

Tatsache ist aber, dass an vielen Maschinen durch den Unsicherheitsfaktor Mensch (Unachtsamkeit, Abgelenktheit, Übermüdung) ein weiteres „Restrisiko“ besteht, das sich durch die vorgenommenen Maßnahmen nicht ausschalten lässt. Beispielsweise durch das versehentliche Berühren eines stromführenden Bauteils mit einem Schraubenzieher während der Fehlersuche bei notwendigerweise eingeschalteter Stromversorgung.

Wie nennen wir nun diese Form des „Restrisikos“? Eine begriffliche Trennung ist notwendig, denn die für die Risikobeurteilung notwendige Angabe „Kein Restrisiko vorhanden“, nachdem alle 3 Stufen der Risikominimierung abgearbeitet wurden, trotzdem aber noch ein Restrisiko besteht, ist begrifflich unscharf und stört uns immer wieder.

Nach unserer bescheidenen Meinung sollten vom Gesetzgeber zur Unterscheidung vom Begriff „Restrisiko“ zwei ergänzende Termini er- bzw. gefunden werden. Konkreter: Nach dem planmäßigen instruktiven Abarbeiten des „Restrisikos“ gemäß Maschinenrichtlinie sollte weiterführend unterschieden werden zwischen beispielsweise „Minimalrisiko“ und „Nullrisiko“.

Dann wäre auch dem Betreiber klar, dass von der laut Maschinenrichtlinie vorschriftsmäßig risikominimierten Maschine entweder ein latentes Betriebsrisiko („Minimalrisiko“) ausgeht oder aber der Betrieb der Maschine in jeder Hinsicht gefährdungsfrei („Nullrisiko“) ist.

Einen schönen Tag wünscht

das Team der Engineering Group

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